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Aus dem Alltag einer Kleinkind-Mama: Eltern-Kind Turnen

An meine Schulzeit habe ich eigentlich recht gute Erinnerungen, abgesehen von einem ganz speziellen Fach, bei dem Bockspringen, Barrenturnen und Handball auf dem Lehrplan standen. Alleine der Gedanke an den nächsten Sportunterricht und die nach altem Gummi und Schweißfüßen riechende Turnhalle raubte mir nächtelang den Schlaf.
Rettung nahte erst, als ich endlich in einem Alter war, in dem Menstruationsbeschwerden als Ausrede glaubwürdig erschienen. Ob mir mein Sportlehrer meinen 2-Wochen-Zyklus abkaufte oder einfach nur aus Scham meine selbst geschriebenen Entschuldigungen nie hinterfragte, lassen wir einfach mal im Raum stehen. Fakt ist, nach Abschluss meines Abiturs habe ich mir geschworen, nie wieder auch nur einen Fuß in eine Turnhalle zu setzen.
Doch wie das mit dem Elternsein eben so ist, kehren irgendwann all die Dinge aus der Kindheit wieder in den Alltag zurück, ob man möchte oder nicht.

So betrete ich nun, 10 Jahre später und kein bisschen sportlicher, erneut den Ort des Grauens. An meiner Hand ein zweijähriger Blondschopf, auch klein P. genannt, der zum Glück erst einmal weitaus mehr Begeisterung für Turnmatten, Klettergerüst und Co. zeigt als seine Mutter, die noch immer mit ihrem alten Trauma kämpft und bereits ahnt, dass diese vier Wände nichts Gutes bereithalten können. Aber hier geht es ja schließlich nicht um mich, sondern um die kleinen Racker, die Spaß haben und sich bewegen sollen. Voller Elan singe und tanze ich zur Begrüßung den „Bi-Ba-Butzemann“ mit den anderen Müttern und der Kursleiterin, deren typische Sportlehrerinnen-Merkmale – Kurzhaarschnitt, weiße Turnschuhe und Trillerpfeife – mich leicht erschauern lassen, während sich mein kleiner Sohnemann bereits aus dem Stehkreis davonschleicht, um sich an den Knöpfen der Musikanlage zu schaffen zu machen. Unter strengem Blick der Trainerin folgen weitere vier Versuche, den Nachwuchs, der jetzt lieber die ganzen aufgebauten Geräte erkunden will, wieder in den Stehkreis zu schleppen, um noch ein paar lustige Bewegungslieder zu singen. Das Aufwärmen hat bei mir schon bestens funktioniert und mit zwei monströsen Schweißflecken unter den Armen hoffe ich, dass nun kein „Hoch-die-Hände-Song“ mehr gesungen wird.
Es folgt ein pädagogisch wertvolles Spiel, bei dem die Kursleiterin eine große Kiste voller Tennisbälle ausleert, die die Kinder dann wieder einsammeln müssen. Ordentlich wie er ist, macht sich mein Sohnemann sofort an die Arbeit, wobei er hierbei lieber an seiner Wurftechnik feilt, anstatt die Bälle zur Kiste zu tragen. Erneut ernten wir leicht angesäuerte Blicke, dieses Mal von den anderen Müttern, die verständlicherweise Angst um die Köpfe ihrer Sprösslinge haben, und ich ahne schon, dass wir den Titel Gruppenliebling heute nicht mehr gewinnen werden. Endlich beginnt der Hauptteil des Kinderturnens, bei dem sich die Kleinen an verschiedenen Stationen bestehend aus Matten, Bänken, Kisten und Klettergerüst austoben können. An der Sprossenwand mit zwei angelehnten Bänken, die als Rutschen dienen, erwartet uns bereits die Gruppenleiterin mit einem nun wieder freundlichen Lächeln, welches bei meinem Junior jedoch nicht zu fruchten scheint. Auch nach mehrfacher Aufforderung der Trainerin, nach oben zu einer der Rutschen zu klettern, bleibt klein P. stur und will partout seinen Standort am Boden nicht verlassen. „Da muss das wohl die Mama mal vormachen“ höre ich auf einmal die Dame mit den weißen Turnschuhen und der Trillerpfeife sagen, als wir gerade schon auf halbem Weg zur nächsten Station sind. Und mit einem Mal befinde ich mich wieder im Jahr 1998 und befolge mit einem süßsauren Lächeln, das eine Mischung aus „du alte Hexe“ und „na super, dass ich heute morgen die engste Jeans aus meinem Kleiderschrank angezogen habe“ bedeutet, der Aufforderung meiner Sportlehrerin. Hinter mir zehn Mütter, die amüsiert dabei zusehen wie ich mit hochrotem Kopf versuche meinen Hintern, der nicht mehr ganz so schmal ist wie 1998, auf eine 20cm breite Rutsche aka Holzbank zu bugsieren. Was soll ich sagen? Die Rutsche ist entgegen aller Befürchtungen glücklicherweise nicht unter mir zusammengebrochen und meinen Sohnemann habe ich mit meiner Vorführung am aller wenigsten beeindruckt. Dieser hat meine kleine Klettereinlage lediglich als Chance zum Abhauen gesehen, um sich in Ruhe aus unserer Tasche die Keksdose zu klauen und sitzt nun zufrieden mit vollen Backen am Rand der Sporthalle. „Eben doch ganz die Mama“, denke ich und freue mich schon auf eine entspannte Tasse Kaffee, wenn wir wieder zu Hause sind.

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